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Barrierefreiheit beginnt bei der Schrift

Warum Barrierefreiheit mehr ist als Rampen und Kontraste

Barrierefreiheit wird oft mit baulichen Maßnahmen oder technischen Anpassungen in Verbindung gebracht: Rampen statt Stufen, Alt-Texte für Bilder, Tastaturbedienung auf Webseiten. Dabei bleibt ein zentraler Aspekt häufig unter dem Radar – die visuelle Lesbarkeit. Genauer gesagt: die Schrift. Denn Gestaltung beginnt mit Buchstaben. Und mit der Frage, ob alle Menschen eine Marke, ein Produkt, eine Website überhaupt lesen können.

Dabei geht es nicht nur um Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Auch ältere Menschen, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit geringer Sprachkompetenz oder mit Leseschwächen profitieren enorm von klarer, verständlicher Typografie. In Wirklichkeit betrifft das Thema also deutlich mehr Menschen, als gemeinhin angenommen wird.

Barrierefreiheit ist deshalb kein Randthema für Nischen-Zielgruppen. Sie ist ein Qualitätskriterium für gute Gestaltung. Eine Entscheidung für Verständlichkeit. Und letztlich ein Zeichen von Haltung: Eine Marke, die mitdenkt. Die niemanden ausschließt – bewusst oder unbewusst.

Gerade im Branding wird das Thema jedoch selten mitgedacht. Schriftwahl erfolgt oft auf Basis von Ästhetik, Stil oder Markenpersönlichkeit – nicht auf Basis von Lesbarkeit. Dabei ist gerade die Schrift das zentrale Instrument der Markenkommunikation: Sie transportiert Botschaften, Werte, Informationen. Und sie tut das jeden Tag, auf allen Kanälen.

Was passiert, wenn man diesen Aspekt ernst nimmt, zeigt die Schrift Barrierefrei Sans. Sie wurde entwickelt, um neue Standards zu setzen – und um zu zeigen, dass barrierefreie Typografie weder langweilig noch gestalterisch einschränkend sein muss.

Was der European Accessibility Act für Marken bedeutet

Die Relevanz des Themas nimmt nicht nur gesellschaftlich, sondern auch rechtlich zu. Mit dem European Accessibility Act (EAA) wird ein verbindlicher Rahmen geschaffen, der Unternehmen verpflichtet, ihre digitalen Angebote barrierefrei zugänglich zu machen. Die EU-Richtlinie, die bis Mitte 2025 in allen Mitgliedstaaten verbindlich wird, betrifft eine Vielzahl von Bereichen – darunter E-Commerce-Plattformen, Bankdienstleistungen, E-Books, Mobilitätsangebote, mobile Apps und natürlich Websites.

Für Unternehmen bedeutet das konkret: Die eigene Kommunikation, insbesondere im digitalen Raum, muss so gestaltet sein, dass sie von allen Menschen genutzt werden kann – unabhängig von individuellen Fähigkeiten oder Einschränkungen. Wer diesen Anforderungen nicht nachkommt, riskiert künftig nicht nur Reputationsschäden, sondern auch rechtliche Konsequenzen.

Dabei ist es wichtig zu verstehen: Barrierefreiheit ist kein Feature, das man am Ende „hinzufügt“. Sie muss von Anfang an mitgedacht werden – konzeptionell, technisch und visuell. Und genau hier kommt die Typografie ins Spiel.

Denn auch wenn die EAA keine spezifischen Schriftarten vorschreibt, macht sie klare Vorgaben zur Wahrnehmbarkeit und Verständlichkeit von Informationen. Eine schlecht lesbare Schrift auf einer kontrastreichen, technisch sauberen Website erfüllt die Anforderungen schlicht nicht. Die formale Lesbarkeit ist genauso entscheidend wie die strukturelle Zugänglichkeit.

Für Marken, die langfristig erfolgreich sein wollen, ist das keine Belastung – sondern eine Chance. Wer jetzt investiert, kann sich frühzeitig als verantwortungsbewusst und nutzerorientiert positionieren. Ein starker Hebel im Employer Branding, im Kundenvertrauen – und in der Differenzierung vom Wettbewerb.

Die Schrift „Barrierefrei Sans“ – ein neuer Ansatz

Entwickelt wurde die Schrift Barrierefrei Sans von Typograf und Designer Manuel Viergutz, der unter dem Label typographicdesign arbeitet. Sein Ziel: Eine Schrift zu schaffen, die von Grund auf auf barrierefreie Lesbarkeit ausgerichtet ist – und dabei ein zeitgemäßes, eigenständiges Design bietet.

Der Anspruch war nicht, eine rein funktionale Schrift für Spezialanwendungen zu gestalten. Vielmehr sollte sie im Alltag bestehen – in Broschüren, Webseiten, Präsentationen, Apps, Leitsystemen. Also überall dort, wo Informationen schnell und eindeutig erfasst werden müssen.

Das Besondere an Barrierefrei Sans: Sie wurde nicht als Reaktion auf gesetzliche Anforderungen oder als Auftragsarbeit entwickelt, sondern aus eigener Überzeugung. Der Designer beobachtete über Jahre hinweg, wie oft typografische Gestaltung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Leser\:innen vorbeigeht – und wie wenig Ressourcen es für Designer\:innen gibt, die das anders machen möchten.

Mit der Veröffentlichung dieser Schrift steht nun ein Werkzeug zur Verfügung, das sowohl gestalterisch als auch funktional überzeugt – und das sich frei nutzen lässt. Ein starkes Signal an die Design-Community – und an Marken, die bereit sind, neue Wege zu gehen.

Was „Barrierefrei Sans“ so besonders macht

Barrierefrei Sans folgt einem klaren Designprinzip: Maximale Unterscheidbarkeit bei minimalem visuellen Lärm. Das bedeutet: Jeder Buchstabe, jede Zahl, jedes Zeichen ist so gestaltet, dass es eindeutig erkennbar bleibt – auch bei schwierigen Bedingungen.

Einige der typografischen Merkmale im Detail:

  • Weite Punzen: Innenräume von Buchstaben wie „a“, „e“ oder „g“ sind offen gehalten und verhindern das optische „Zulaufen“, das bei kleinen Schriftgraden oft auftritt.
  • Klare Buchstabenstruktur: Die Formgebung vermeidet Symmetrien und Formenähnlichkeiten, die zu Verwechslungen führen können – etwa bei „I“, „l“ und „1“.
  • Rhythmische Ausgeglichenheit: Die Buchstaben sind harmonisch aufeinander abgestimmt, wodurch der Lesefluss unterstützt wird – besonders in Fließtexten.
  • Optimale Proportionen: Eine großzügige x-Höhe und ausgewogene Strichstärken erhöhen die Lesbarkeit in digitalen wie gedruckten Anwendungen.
  • Variantenreich: Die Schrift steht in mehreren Schnitten und auch als variable Font zur Verfügung – für maximale Flexibilität.

Dabei ist Barrierefrei Sans keineswegs steril oder technisch. Im Gegenteil: Sie besitzt eine zurückhaltende, aber freundliche Ästhetik. Sie ist präsent, ohne laut zu sein. Und sie lässt sich hervorragend in bestehende Gestaltungswelten integrieren – besonders dort, wo Klarheit, Vertrauen und Offenheit vermittelt werden sollen.

Im Vergleich zu bekannten barrierearmen Fonts wie der „Atkinson Hyperlegible“ oder Tahoma geht Barrierefrei Sans einen anderen Weg: Sie ist weniger technisch, weniger institutionell – und gerade dadurch auch im Kontext von Markenkommunikation gut einsetzbar. Ihre Offenheit macht sie zu einem starken Werkzeug für progressive Unternehmen – insbesondere für solche, die ihre visuelle Sprache weiterentwickeln möchten, ohne auf gestalterischen Anspruch zu verzichten.

Accessibility im Corporate Design – mehr als ein Detail

Im Corporate Design geht es um Konsistenz, Wiedererkennung und Aussagekraft. Jedes Element, von der Farbwahl bis zur Bildsprache, trägt zur Identität einer Marke bei. Die Schrift ist dabei ein zentrales Element – und gleichzeitig eines der sensibelsten.

Denn Schrift funktioniert nicht nur visuell, sondern auch emotional. Sie vermittelt Werte: Seriosität, Offenheit, Dynamik, Zuverlässigkeit. Und sie wirkt dabei immer auf zwei Ebenen: bewusst und unbewusst. Was für Designer\:innen oft eine Frage des Stils ist, kann für Nutzer\:innen zur Frage der Zugänglichkeit werden.

Gerade in digitalen Anwendungen zeigt sich das deutlich: Eine visuell anspruchsvolle Schrift, die am Desktop noch überzeugt, kann auf dem Smartphone zur Hürde werden. Kleine Zeichenabstände, enge Buchstabenformen, zu geringer Kontrast – all das sind klassische Stolpersteine. Und sie führen nicht nur zu Frustration, sondern auch zu verlorener Aufmerksamkeit.

Für Unternehmen ist das besonders kritisch. Denn Aufmerksamkeit ist heute knapp. Wer Lesende im ersten Moment verliert, bekommt sie oft nicht zurück. Es geht also nicht nur um Barrierefreiheit im engeren Sinn, sondern um Nutzerzentrierung. Und um Markenführung mit Weitblick.

Die gute Nachricht: Gute Gestaltung und Barrierefreiheit schließen sich nicht aus – sie bedingen einander. Eine Schrift wie Barrierefrei Sans zeigt, wie ein inklusiver Designansatz nicht nur möglich, sondern ästhetisch überzeugend ist. Und wie sich Marken modernisieren lassen, ohne ihre Identität zu verlieren.

Gerade bei Neuentwicklungen oder Rebrandings lohnt es sich, Typografie ganzheitlich zu betrachten. Eine erfahrene Grafik Agentur kann dabei helfen, die richtige Balance zu finden: zwischen Charakter und Klarheit, zwischen Wiedererkennung und Zugänglichkeit.

Was Unternehmen jetzt tun können

Die Auseinandersetzung mit barrierefreier Schriftwahl muss kein aufwändiges Projekt sein. Aber sie beginnt mit einem Perspektivwechsel: Statt „Was passt zur Marke?“ sollte die Frage auch lauten: „Wird die Botschaft von allen verstanden?“

Ein paar einfache Schritte helfen beim Einstieg:

  • Typografie prüfen: Wie gut ist die Hausschrift bei kleiner Darstellung lesbar? Wie verhält sie sich auf mobilen Geräten?
  • Gängige Missverständnisse identifizieren: Gibt es Zeichen, die leicht verwechselt werden können?
  • Kontrast und Farbe analysieren: Ist der Farbkontrast zwischen Schrift und Hintergrund ausreichend – auch bei schlechtem Licht?
  • Anwendung testen: Wie wirkt die Schrift in Fließtexten, Headlines, Buttons, Formularfeldern?

Wer die eigene Markenkommunikation kritisch unter die Lupe nimmt, entdeckt oft Optimierungspotenzial – nicht nur im Hinblick auf Barrierefreiheit, sondern auch in Bezug auf Nutzerfreundlichkeit und visuelle Konsistenz.

Hier kann externe Unterstützung sinnvoll sein. Eine Branding Wien-Agentur kann typografische Systeme entwickeln, die sowohl markengerecht als auch zukunftsfähig sind. Gerade im Zusammenspiel mit Digitalagenturen oder bei Relaunches empfiehlt sich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit – zum Beispiel mit einer spezialisierten Website Agentur, die technische Umsetzung und gestalterische Präzision miteinander verbindet.

Fazit: Gute Gestaltung ist inklusive Gestaltung

Barrierefreiheit beginnt nicht mit einer Verordnung – sie beginnt mit Haltung. Mit dem Willen, Gestaltung für möglichst viele Menschen verständlich, zugänglich und erfahrbar zu machen. Die Schrift Barrierefrei Sans ist ein Werkzeug auf diesem Weg. Und sie ist ein Signal: Gestaltung, die alle mitdenkt, ist nicht weniger stark – sie ist relevanter.

Marken, die heute Verantwortung übernehmen, werden morgen als modern, glaubwürdig und empathisch wahrgenommen. Sie sprechen nicht nur Kund\:innen an, sondern auch Mitarbeitende, Partner\:innen, Öffentlichkeit. Barrierefreie Typografie ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist ein Zeichen von Respekt – und ein strategischer Vorteil.

Denn Klarheit wirkt. Und gute Gestaltung ist immer Gestaltung für alle.

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